2.2.18

Americana im Albisgüetli

Zum 34. Mal findet vom 2. Februar bis 25. März 2018 das Internationale Country Music Festival im Schützenhaus Albisgüetli Zürich statt. 
Hier klicken für das gesamte Programm.

Meine besonderen Empfehlungen:


Donnerstag, 08.02.18:
Moot Davis & Band
Cooler Singer/Songwriter mit tollem Sound zwischen Honkytonk, Rockabilly, Blues und Rock. 
Aktuelles Album: Hierarchy of Crows.



Samstag, 10.02.18:
James Intveld & Band
Rockabilly-Musiker und Schauspieler mit toller Stimme.




Freitag, 16.02.18:
Stacie Collins
Tolle Sängerin mit druckvoller Band unter der Leitung ihres Mannes Al Collins (Bass) in der Tradition von Southern-Rock-Bands wie The Georgia Satellites. Live ein schweisstreibendes Ereignis.




Mittwoch, 07.03.18/Donnerstag, 08.03.18:
Two Tons of Steel
Famose Rockabilly-/Honkytonk-Band aus Texas, die auch Titel von den Ramones oder von Motörhead adaptiert. Live immer ganz stark.




Freitag, 09.03.18:
Albert Lee & His Electric Band
Der grossartige englische Gitarrist Albert Lee löste 1976 in der Hot Band von Emmylou Harris den legendären James Burton ab und war an einigen der grössten Erfolge von Emmylou beteiligt. Während 20 Jahren arbeitete er zudem mit den Everly Brothers zusammen.



Mittwoch, 14.03.18:

Dale Watson & His Lone Stars
Outlaw-Countrygrösse aus Texas und Kopf der «Ameripolitan»-Bewegung, die eigene Music Awards vergibt.¨



31.12.17

Top 20 Alben 2017

Meine ganz persönlichen Lieblingsalben 2017 (aus über 150 Neuerscheinungen des Jahrgangs 2017):


1.
Matt Patershuk: Same As I Ever Have Been
Den kanadischen Singer/Songwriter Matt Patershuk hörte ich im letzten Jahr zum ersten Mal. Mit seinem Album „I Was So Fond of You” (Rang 3 meiner Topliste 2016) beschäftigte er sich mit dem Tod seiner Schwester – ein besoffener Autofahrer hatte die junge Künstlerin totgefahren: ein bitterzartes Werk, berührende Songs, wunderschön arrangiert. Auch wenn das neue Werk – wiederum produziert und begleitet vom Multiinstrumentalisten Steve Dawson (dessen Wirken für andere Künstler mir besser gefällt, als seine eigenen Alben) – nicht mehr so traurig klingt, ist es doch eher auf der melancholischen Seite angesiedelt. Gute Songs, ein Sound zwischen Country, Folk und Rock, und ich mag Patershuks Stimme und seine Art zu singen – mein Album of the Year.

2.
Emily Duff: Maybe in the Morning
Die New Yorker Singer/Songwriterin Emily Duff ist zwar schon etliche Jahre im Geschäft, doch für mich gehört sie zu den Entdeckungen des Jahres. Ihr neues Album hat sie in den FAME Studios in Muscle Shoals, Alabama, aufgenommen, der Wiege des „Muscle Shoals Sounds“. Hier entstanden in den 1960er-Jahren legendäre Soul-Aufnahme etwa von Wilson Pickett, Etta James und Aretha Franklin. Die Aufnahmen von Emily Duff haben etwas von diesem Soul-Groove. Und das Gemälde auf dem Album-Cover würde ich gerne bei mir an die Wand hängen.

3.
Zephaniah OHora with the 18 Wheelers: This Highway
Mein neuester Lieblings-Countrysänger ist ein Frisör aus New York City: Zephaniah OHora schreibt und singt wunderschöne Songs auf erfrischend altmodische Art. Definitiv „too country for country radio“ …


4.
Jeremy Pinnell: Ties of Blood and Affection
Der Sound von Jeremy Pinnell klingt auf Anhieb nach gekonntem, aber eher harmlosem Honkytonk. Aber der Gesang belehrt einen sofort eines Besseren, sowohl von der Stimme her wie von den Worten, die diese singt. Es geht um Drogen, Alkohol, Knast, um ein Leben ganz unten, und der Mann weiss, wovon er singt. I got tired of going to jail every time I’d drink a beer / When you wake up in the morning and you knew your time was near. Schon sein erstes Album „OH/KY“ hatte mich umgehauen (Rang 3 auf meiner Liste 2015). Nebenbei – neben Americana gehört Kriminalliteratur zu meinen Passionen: Jeremy Pinnell stammt aus dem Grenzgebiet von Ohio und Kentucky, in dem das  Noir-Debüt „Pike“ von Benjamin Whitmer, einer der starken neuen Stimmen in der amerikanischen Kriminalliteratur, spielte (deutsch: „Im Westen nichts“, 2017, Polar). 
            


5.
Dori Freeman: Letters Never Read
Dori Freeman aus der Kleinstadt Galax in den Appalachians in Virginia, die für ein traditionsreiches Bluegrass-Festival bekannt ist, hat mich schon 2016 mit ihrem Debütalbum betört (Rang 5 auf meiner Liste 2016). Eine phantastische Sängerin, was auf dem ersten wie auf dem zweiten Album je ein A-capella-Song schön beweisen. Teddy Thompson produzierte beide Alben und begleitet Dori als Gitarrist; er ist der Sohn der britischen Folk-Legenden Richard & Linda Thompson („I Want to See the Bright Lights Tonight“). Folk/Country der eher melancholischen Art; in einem Interview sagte Dori Freeman neulich, sie habe erste einen einzigen „happy Song“ geschrieben.

6.
Jim Keaveny: Put It Together
(self-released)       
Der Singer/Songwriter Jim Keaveny ist ein verrückter Hund. Er ist aus dem Norden nach Terlingua, Texas, gezogen, ein abgelegenes Kaff am Rio Grande, in Sichtweite zu Mexiko. Dort hat er zusammen mit seiner Freundin zunächst im Wohnmobil gehaust und sich selbst ein kleines Haus aus Holz gebaut; die Dusche wird durch die Regentonne gespeist. Um Geld für sein neues Album zu sammeln, ist er mit dem Fahrrad von der Westküste an die Ostküste gefahren und hat bei lokalen Medien Halt gemacht und unterwegs seine Songs vorgetragen. Seinen näselnden Gesang begleiteten im Studio Musikerfreunde virtuos, unter anderem mit Mariachi-Trompete und Akkordeon.

7.
Lee Ann Womack: The Lonely, the Lonesome & the Gone
(ATO Records)         
Eine der Überraschungen des Jahres. Die 51-jährige Lee Ann Womack war seit den 1990ern als Country-Sängerin zwischen Neotraditionalismus und Countrypop bekannt; sie hatte eine Reihe von Hits im Country-Radio. Sie war immer eine sehr gute Sängerin, aber sehr kommerziell orientiert. 2008 brach ihre Karriere ab; erst 2014 veröffentlichte sie auf einem kleinen Label wieder ein Album. Und jetzt dieses starke Stück mit eher düsteren Songs. Womack hat immer schon eigene Songs geschrieben, aber dies ist das erste Album mit vorwiegend eigenen Songs, dazu kommen ein paar für sie geschriebene Lieder sowie einzelne Klassiker, darunter eine unter die Haut gehende Version der dunklen Ballade „Long Black Veil“. Und dass Lee Ann Womack auf dem Album-Cover mit Zigarette posiert, gilt in den heutigen USA schon als rebellisch.

8.
JD McPherson: Undivided Heart & Soul
Sein drittes Album nach „Signs & Signifiers“ (2012) und „Let the Good Times Roll“ (Rang 7 auf meiner Liste 2015) hat der begnadete Neo-Rockabilly-Musiker JD McPherson im legendären RCA Studio B aufgenommen, wo Grössen wie die Everly Brothers, Roy Orbison und Elvis Presley gearbeitet haben. Rock ’n’ Roll mit einer souligen Note.

9.
Tom Russell: Folk Hotel
(Frontera/Proper Records)           
Tom Russell ist ein Veteran, dessen Arbeit ich seit den 1980ern verfolge, ein weltläufiger Intellektueller und ein toller Sänger. Der studierte Kriminologe aus Kalifornien arbeitete in Nigeria, lebte unter anderem in Kanada, Norwegen und Spanien. Er interessierte sich für die Beat-Literaten und führte während 20 Jahren einen Briefwechsel mit Charles Bukowski. Musikalisch begann er in der Folkszene, wandte sich dann der Countrymusik zu. Inzwischen hat er rund drei Dutzend Alben veröffentlicht. Sein neues Studioalbum „Folk Hotel“ ist eine Hommage an den Folkszene im Greenwich Village im New York der 1960er-Jahre mit 13 eigenen Songs und einem Bob-Dylan-Cover („Just Like Tom Thumb’s Blues“ im Duett mit Joe Ely). Zum Album gibt es auch ein Buch mit den Geschichten hinter den Songs und je einem Gemälde von Tom Russell zu jedem Song.  Auch das Albumcover hat er selbst gemalt.

10.
Eilen Jewell: Down Hearted Blues
Eigentlich singt Eilen Jewell völlig unspektakulär. Trotzdem bin ich immer wieder hin und weg, wenn sich sie höre. Ob sie einen ihrer starken Songs, wie zum Beispiel „Rich Man’s World“ vom Album „Letters From Sinners & Strangers“ (2007 auf Rang 4 meiner Liste), singt oder was auch immer. Auf ihrem aktuellen Album singt und spielt sie mir ihrer Band Blues. Covers von Willie Dixon, Betty James, Frankie Sims, Memphis Minnie, Big Maybelle und anderen.



11.
Brigitte DeMeyer & Will Kimbrough: Mockingbird Soul
(BDM Music/Will Kimbrough Music, Nashville, TN)
Brigitte DeMeyer und Will Kimbrough, zwei begnadete Singer/Songwriter und Musiker, arbeiten seit Jahren immer wieder zusammen. Das neue gemeinsame Album mit seiner bluesigen Note ist besonders stark.



12.
The Whiskey Gentry: Dead Ringer
(Pitch-A-Tent Records, Athens, GA)
Das dritte Album der erfrischenden Countryrockband um Sängerin (und Songschreiberin) Lauren Staley Morrow aus Atlanta, Georgia.



13.
Son Volt: Notes of Blue
(Transmit Sound, Jersey City, NJ)
Uncle Tupelo war Ende der 1980er/Anfang der 1990er eine der führenden Alternative-Country-Bands. Bis die beiden Köpfe Jay Farrar und Jeff Tweedy nicht mehr miteinander konnten und sich trennten. Tweedy gründete Wilco, Farrar Son Volt. Wilco ist zwar bekannter, aber für mich ist Son Volt schon seit der Trennung 1994 die weit bessere Band. Farrar beweist das mit dem neuen, stark von Blues inspirierten Album einmal mehr.

14.
Jason Eady (self-titled)
(Old Guitar Records / Thirty Tigers, Nashville, TN)
Der aus Mississippi stammende, in Texas lebende Singer/Songwriter Jeason Eady präsentiert starke neue Songs, sehr schön arrangiert in stimmigem, akustischem Americana-Country-Sound. Produziert von Singer/Songwriter Kevin Welch.

15.
Pieta Brown: Postcards
(Lustre Records, Iowa City, IA)
Pieta Brown aus Iowa, die Tochter der Singer/Songwriter-Legende Greg Brown, gehört seit ihrem Debüt 2002 zu meinen Favoriten. Jede der zehn «Postkarten» des neuen Albums ist eine Kollaboration mit einem anderen Musiker oder einer anderen Band, darunter etwa Mark Knopfler, David Lindley, Dave Mansfield, Carrie Rodriguez, Calexico sowie The Pines, die Band der Söhne ihres Gatten Bo Ramsey.

16.
Robyn Ludwick: This Tall to Ride
(Late Show Records, Wimberley, TX)
Die Schwester der texanischen Singer/Songwriter Bruce und Charlie Robison ist selbst eine grossartige Songschreiberin und eine tolle Sängerin.

17.
Daddy (Tommy Womack & Will Kimbrough): Let’s Do This
(Daphne Records/Will Kimbrough Music, Nashville, TN)
Daddy ist sozusagen das Rockband-Projekt der beiden grossen Singer/Songwriter Tommy Womack und Will Kimbrough (siehe auch Rang 11) aus Nashville. Dies ist ihr drittes Album, dass runtergeht wie feinster Tennessee Whiskey.



18.
Rachel Baiman: Shame
(Free Dirt Records, Takoma Park, MD)
Sozial und auch feministisch engagiert sind die Songs von Rachel Baiman, die von einem „bluegrassigen“ Sound begleitet werden.


19.
Monica Passin: Monette
(Passin Fancy Records, New York City, NY)
Frühere Werke der New Yorkerin waren noch stark im Rockabilly verankert. Das neue Album nimmt Einflüsse von Swing, Jazz, klassischem Rhythm & Blues und anderen Stilen vor allem der 1950er und 1960er auf. Sehr schön gemacht.


20.
Sad Daddy: Fresh Catch
(Sad Daddy, Eureka Springs, AR)
Schräges Quartett aus Arkansas mit Bassistin Melissa «Daddy» Carper, die eine Zeitlang in Texas mit dem Frauentrio Carper Family Furore machte («Old-Fashioned Gal»: Rang 6 auf meiner Liste 2013) und auch unter ihrem Namen aufnimmt («Arkansas Bound»: Rang 15 2016), Gitarrist Brian Martin, Joe Sundell am Banjo und Fiddlerin Rebecca Patek. Bluegrassig, folkig – und ziemlich witzig.



Ausserdem empfehle ich vom Jahrgang 2017:

Moot Davis: Hierarchy of Crows
Joseph Huber: The Suffering Stage
Lilly Hiatt: Trinity Lane
Hiss Golden Messenger: Hallelujah Anything
John Moreland: Big Bad Luv
Lindi Ortega: Til the Goin’ Gets Gone (EP)
Margo Price: All American Made
D. B. Rielly: Live from Long Island City
Whitney Rose: Rule 62
The Secret Sisters: You Don’t Own Me Anymore
Darden Smith: Everything
Billy Strings: Turmoil & Tinfoil
Sunny Sweeney: Trophy
Jaime Wyatt: Felony Blues